systemausfall.org-Blog

Endstation - ein Aktionsbündnis gegen Videoüberwachung im öffentlichen Raum

Im politischen Alltag werden immer wieder Begriffe umgedeutet, um die damit verbundenen Entwicklungen widerstandsfreier durchsetzen zu können. Ein Beispiel ist die intelligente Videoüberwachung am Berliner Südkreuz. Dort läuft aktuell ein Pilotprojekt, bei dem nicht nur Videoaufnahmen aller Passant*innen angefertigt werden, sondern gleichzeitig Gesichts- und Verhaltenserkennungen durchgeführt werden. Um für eine hohe Akzeptanz bei den Menschen zu sorgen, die den Bahnhof nutzen (müssen), gab man dem Projekt den Namen Sicherheitsbahnhof. Was zu unserer eigenen Sicherheit dient und dazu noch intelligent funktioniert, kann ja nicht schlecht sein - Umdeutung erfolgreich durchgeführt.

Erfreulicherweise gibt es mit Endstation ein Aktionsbündnis, dass einen wahrnehmbaren Protest schaffen will, welcher die Technik als etwas kritisierbares in den Diskurs bringt und diese nicht mehr als alternativlose Maßnahme gegen eine allgemeine Unsicherheit akzeptiert. Das Bündnis bietet für Interessierte eine Mailingliste und freut sich natürlich insbesondere über Mitwirkende.

 

Wir haben unser Spendenziel erreicht

Es freut uns zu verkünden, dass wir unser aktuelles Spendenziel erreicht haben. Und obwohl der Spendenaufruf inzwischen nicht mehr prominent auf unserer Webseite zu finden ist, treffen immer noch einzelne Spenden ein :-))

Deshalb wollen wir uns mit dieser E-Mail bei all denjenigen bedanken, die uns unterstützt und damit den weiteren Betrieb von systemausfall.org gesichert haben.

Großartigerweise wurde unser kalkulierter Bedarf (ganz ähnlich wie beim letzten Mal) um ca. 30 % übertroffen. Zusammengekommen sind bis zum heutigen Tag 3852 €. Yippee! Das verschafft uns einen zusätzlichen Freiraum, in dem wir uns über das Jahr 2017 hinaus keine Gedanken über die Finanzierung machen müssen.

Danke für die Unterstützung und viel Kraft und vor allem auch Freude für deine aktuellen und zukünftigen Projekte.

Update: Anleitungen zum verschlüsselten Kommunizieren

In unserem Hilfewiki haben wir nun alle Anleitungen zur Einrichtung und Nutzung von verschlüsselter E-Mailkommunikation überarbeitet. Nun heißt es: Auf Wiedersehen CryptoCD, denn alle Anfragen werden automatisch ins Wiki umgeleitet.

Der Vogel lebt noch

Die Aufregung war groß, als die Aktualisierung der Kanarien-Erklärung von riseup.net vor ein paar Monaten ausblieb. Mit der Erklärung veröffentlicht riseup.net Informationen, die Rückschlüsse darauf zulassen, ob sie gezwungen sind mit staatlichen Behörden zu kooperieren. Mit dem Ausbleiben der Aktualisierung vermuteten nun viele Menschen, dass dieser Fall eingetreten sei und ihr Mailkonto und ihre gespeicherten Daten nun nicht mehr sicher seien. Nachfragen per Twitter bleiben durch das Kollektiv unbeantwortet, weshalb sich der Verdacht zu erhärten schien.

Nun hat riseup.net eine Begründung für die ausbleibende Aktualisierung nachgereicht und es ist alles anders, als die meisten vermutet hatten: niemand externes hatte Zugriff auf die Server. Sie waren vielmehr aufrgund der rechtlichen Lage in den USA gezwungen, zu einem laufenden Verfahren zu schweigen. Doch so ganz umsonst war die damit verbundene Aufregung nicht. Verunsicherte riseup.net-User haben sich bei anderen Technikkollektiven Accounts, Mailinglisten usw. anlegen lassen und so ein Stück zur Dezentralisierung beigetragen.

Was bleibt ist der Hinweis, dass niemand sich durch eine Kanarien-Erklärung oder einen Transparenzbericht in Sicherheit wiegen sollte. Der beste Schutz ist, sich nicht auf den Serverbetreiber zu verlassen, sondern seine eigenen Daten durch Reduzierung und Verschlüsselung zu schützen. Wie das geht, haben wir in unserem Hilfewiki kurz zusammen gefasst.

Spendenaufruf 2017

Wir sind uns sicher, dass du eine Menge zu verbergen hast - und das ist auch gut so!

Mit systemausfall.org geben wir dir dazu die notwendigen technischen Werkzeuge an die Hand. Neben E-Mail-Adressen bieten wir verschiedene Dienste an, damit du über das Internet kommunizieren,
gemeinsam arbeiten, planen und dich mit anderen Menschen sicher austauschen kannst - ohne die Sorge zu haben, dass kommerzielle oder staatliche Akteure Zugriff auf deine Daten haben.

Falls du schon eine Weile unsere Dienste nutzt, werden dir unsere regelmäßigen Spendenaufrufe bereits bekannt sein. Um unsere Kosten zu decken, wollen wir erneut deine Unterstützung erfragen.

Konkret geht es uns um unsere Kosten bis Ende 2017 in Höhe von 2959 Euro. Damit du weißt, wofür du spendest, haben wir eine Zusammenfassung unserer jährlichen Ausgaben zusammengestellt.

Dort findest du auch unsere Spendenempfehlungen, falls du dir unsicher sein solltest, welche Spendenhöhe angemessen sein könnte.

Spenden kannst du über folgende Kanäle:

Überweisung
IBAN:     DE23430609672003212200
BIC:     GENODEM1GLS
Inhaber: Sense.Lab e.V.

Anonym per Analog-Post oder Einwurf
In einem an uns adressierten Briefumschlag:
Sense.Lab e.V.
Friedrichstraße 23
18057 Rostock

Als gemeinnütziger Verein können Spenden an uns steuerlich abgesetzt werden.

Bedanken wollen wir uns bei allen, die uns bereits im Laufe der vergangenen Monate mit einer Spende unterstützt haben.

Traditionell gehört zum Spendenaufruf auch ein kurzer Rückblick:

  • Die für uns alle aufregendste Neuerung war die Aktualisierung des Mailservers. Das bringt eine Menge Vorteile für dich mit:
    • Anonymisierter Austausch von Mails über das Tor-Netzwerk mit ausgewählten Servern
    • Reduzierung des Spamaufkommens
    • Neue Webmail-Oberfläche RainLoop
  • Die Hardware eines unserer Server konnten wir mit Hilfe früherer Spenden aufrüsten.
  • Wir haben mit Seafile einen Online-Speicher als Alternative zu Dropbox eingerichtet.
  • Für die gemeisame Arbeit an Projekten stellen wir dir das Werkzeug Redmine zur Verfügung.
  • Wir haben unseren XMPP/Jabber-Server für die Nutzung mit mobilen Geräten optimiert.
  • Du kannst mit uns inzwischen auch chatten, um deine Fragen zu unseren Diensten zu besprechen.
  • Für den unkomplizierten Austausch von großen Dateien haben wir Coquelicot eingerichtet.

Dies ist natürlich nur ein kleiner Auszug. Die meisten Sachen sind keine große Meldung wert, auch wenn oftmals einiges an unsichtbarer Arbeit dahinter steckt.

Wir wünschen dir viel Energie für dein gesellschaftliches Schaffen und besten Dank im Voraus für deine Unterstützung!

Deine systemausfall.org-Crew

Anleitungen zum verschlüsselten Kommunizieren

Es ist schon ein paar Jahre her, als wir uns die CryptoCD erdachten. Wir wollten mit einfachen und verständlichen Anleitungen Aktivist*innen die Scheu nehmen, ihre Kommunikation im Internet zu verschlüsseln. Damals waren schnelle Internetanschlüsse noch nicht so weit verbreitet, also packten wir die Anleitungen und alle notwendigen Programme auf eine CD, die wir zu verschiedenen Gelegenheiten verteilten. Wir hatten sogar ein nerdig ansehnliches Cover. Natürlich gab es auch eine Webseite zur CD. Irgendwann verschoben wir die Inhalte in ein Wiki, in der Hoffnung, dass sich andere Menschen an der Aktualisierung beteiligen. Dieser Wunsch blieb unerfüllt - nuja, wir haben auch nicht sonderlich viel dafür getan.

Während die theoretischen Erklärungen nach wie vor bzw. wieder aktuell sind, muss man schon genau lesen, um die Schritt-für-Schritt-Anleitungen nachvollziehen zu können. Software veraltet nunmal schnell. Weil wir die Idee hinter dem Projekt weiterhin für überaus wichtig erachten, haben wir einzelne Kapitel aktualisiert und in unser Hilfewiki überführt. Noch sind lange nicht alle alten Sachen übertragen - es ist eben work in progress. Den Anfang machen die Anleitungen zum verschlüsselten Chatten mit Conversations.

Achso, Hilfewiki heißt, dass du die Inhalte auch mitbearbeiten kannst. Fühl' dich eingeladen.

Ein Leben ohne Google

Mike Kuketz verdeutlicht in seinem aktuellen Blogeintrag sehr gut, weshalb es keine gute Idee ist, Google-Dienste umfassend zu nutzen und zeigt Alternativen auf, um sich sicherer im Netz zu bewegen.

Lokale Gruppen vernetzen mit stadtgestalten.org

Vor knapp einer Woche ist stadtgestalten.org Start gegangen. Wem die Adresse bekannt vor kommt: richtig, das Projekt selbst ist schon einige Jahre alt. Weshalb aber ein Neustart und weshalb eine weitere Seite zur Vernetzung von lokalen Gruppen starten? Während es bei der früheren Version der Plattform (von außen betrachtet) hauptsächlich um die technische Realisierung ging, spielt nun die soziale Verankerung eine wesentliche Rolle. Klar eine solche Plattform muss technisch funktionieren und Features mitbringen, die den Gruppenalltag erleichtern. Doch was nützt das alles, wenn sich keine Gruppen finden, die die Plattform für ihre Bedürnisse nutzen. Deshalb gab es im Vorfeld immer wieder Kontakt zu den potentiellen Nutzer*innen, um sie für das Konzept zu begeistern und ihre Wünsche in der Planung zu berücksichtigen.

Weshalb stadtgestalten.org nun toller ist, als das Facebook oder jede andere soziale Plattform, kannst du in der Selbstbeschreibung nachlesen. Achja, stadtgestalten.org läuft auf unseren Servern. Datenschutz und so, weißt schon...

 

Anonym Surfen im Internet

Die Nutzung von anonymisierten Diensten ist nicht, wie von manchen Politiker*innen behauptet, ein Werkzeug von Kriminellen, sondern als Grundbedingung für eine funktionierende Demokratie auch im Internet zu verstehen. Du kannst und solltest deine Grundrechte schützen, indem du adäquate Maßnahmen zur Wahrung deiner Privatsphäre ergreifst. Das so genannte Tor-Netzwerk leistet genau das.

Auf heise.de erschien vor ein paar Tagen eine Anleitung, wie sich der Tor-Browser zum anomymen Surfen auf dem eigenen Rechner installieren lässt. Falls du noch ein wenig Hintergrund dazu brauchst: in unserem Hilfewiki haben wir leicht verständlich erklärt, wie anonymes Surfen eigentlich funktioniert. Und falls du noch ein paar Argumente brauchst, falls mal wieder jemand meint, er*sie hätte nichts zu verbergen: Weshalb Verschlüsselung sinnvoll ist.