Diskriminierende Sprache

Wer sich auf dem Bau oder unter Handwerker*Innen bewegt, wird schnell mit diskriminierender Sprache konfrontiert. Ob negative Dinge als „schwul“, „behindert“oder gar als „jüdisch“ bezeichnet werden, Witze über Schwarze gerissen oder über Frauen in übelster Weise gesprochen wird, die Männerdomäne Bau ist Nährboden für menschenverachtendes Gedankengut. Wer nicht mitlacht wird schnell als Spaßbremse abgetan. Nazi will natürlich keiner sein. Nein, es war halt nur ein Witz oder eine persönliche Anekdote. So ein Verhalten in der Gruppe anzusprechen ist schwierig und sollte nur geschehen, wenn man in der Gruppe bereits fest verankert und akzeptiert ist. Der alteingesessene Meister wird sich von dem neuen Lehrling nichts erzählen lassen. Oft ist es besser, sich die Kolleg*Innen in einer ruhigen Minute einzeln vorzunehmen und sich etwas Zeit dafür zu nehmen. (Oft ist es besser mit den Koleg*innen in einer ruhigen Minute zu sprechen und sich etwas Zeit dafür zu nehmen.

Einen Umgang damit finden

Die Meisten spielen Gesagtes runter oder fühlen sich in ihrer Postion angegriffen. Dabei hat es sich bewährt sich vorher ein paar Gedanken über das zu machen, was gesagt werden möchte und sein Gegenüber nicht als Vollidioten dastehen zulassen. Eigene Erfahrungen kommen gut und auch Berichte, die das Umfeld (bzw. die Stadt) des Gegenübers miteinbeziehen. Versuch nicht so hoch einzusteigen und Fachbegriffe und Statistiken zu vermeiden. Vielleicht bringst du das nächste Mal etwas Infomaterial mit oder lässt zufällig eine Zeitung oder einen Flyer auf dem Frühstückstisch liegen. Verlang von deinen Kolleg*Innen und auch von dir keine Riesenschritte. Du sprichst hier tief verwurzelte Vorurteile und Selbstverständlichkeiten an und die schaffst du nicht mit einem Gespräch aus der Welt. Aber bleib am Ball ohne aufdringlich zu werden, nach einer Zeit werden deine Bemühungen Früchte tragen. Nazikader kriegst du damit freilich nicht, aber vielleicht schaffst du es sie Schritt für Schritt in der Gruppe zu isolieren.



Handlungsspielräume in der Berufsschule

In der Berufsschule hast du eine andere Situation. Hier besteht die Möglichkeit unter der Hand mit den Lehrer*Innen zu sprechen und das Thema vielleicht mal als Stoff für eine Unterrichtsstunde vor zu schlagen. Auch gibt es Organisationen, wie zum Beispiel „Schule ohne Rassismus“, die mit speziellen Angeboten in Berufsschulen gehen. Oder sprich dich mit ein paar Kolleg*Innen ab und beginn die Diskussion gleich, wenn solche Worte fallen. Die Lehrer*Innen werden bei dem Thema kaum auf den Unterrichtsstoff pochen und die Diskussion abwürgen. Je nachdem, wie du eine solche Situation gestaltest, kannst du die Öffentlichkeit der Klasse nutzen und den Druck auf Einzelne erhöhen, damit sie mit der Scheiße aufhören. Wahlweise bietet es sich aber auch an, die Leute einzeln anzusprechen und ihnen die Möglichkeit sich zu profilieren zu verhindern.

„In meiner Klasse war schwul ein gängiges Schimpfwort. Bis ich dann irgendwann gesagt habe, dass ich schwul bin. Das stimmte zwar nicht, aber etwas gegen mich zu sagen hat sich dann doch niemand getraut. Und als ich dann auch noch hab durchblicken lassen, dass mein Bruder eine Behinderung hat und ich „behindert“ als Schimpfwort echt Scheiße finde, viel das irgendwann auch weg. Wichtig ist nicht alles mit einmal zu wollen,sonst steht man schnell als Klugscheißer da.“

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