Durchhaltegedanken

Im Laufe der Ausbildung werdet Ihr mehr als einmal alles hinschmeißen, einfach im Bett liegen bleiben oder am nächsten Tag nicht mehr zur Arbeit gehen wollen. Wir sind die letzten die sagen würden, dass man eine Ausbildung unter allen Umständen zu Ende führen muss. Gründe alles sein zu lassen gibt es genauso viele wie sich doch noch einmal zusammenzureißen. Im folgenden haben wir ein paar Gedanken, Rituale und Erfahrungen gesammelt, die uns geholfen haben weiter zu machen.

Die Sache mit der Snooze-Taste

Wir alle kennen und lieben sie. Die Zeit ist schon kurz bemessen, aber wenigstens einmal, ach scheiß drauf, auch zweimal, kann man sie drücken, um dann doch hoch zu schießen und mit schlechter Laune eilig die Sachen zu packen und ohne Frühstück aus dem Haus zu rennen.

„Ich habe die ersten Monate die Zeit im Bett bis zum letzten Moment ausgekostet und bin ein paar mal zu spät, aber immer mit schlechter Laune aus dem Haus gegangen. Irgendwann habe ich mich zusammengerissen und habe die Snooze-Taste weggelassen und mich gedrängt ohne sie aufzustehen. Mit der Zeit habe ich mir ein paar schöne Morgenrituale angewöhnt, die mir das Aufstehen erleichtert haben. Heiß duschen, ein Stück Kuchen vom Vortag, fünf Minuten Sonnenaufgang gucken, Lieblingsmukke, der/dem Liebsten einen Kaffee ans Bett bringen, Frühsport (Scherz), frische Sachen anziehen, eine Seite Zeitung lesen, bestimmte Radiosendung hören, besonderes Frühstück, Bergfest, Ruhe auf dem Pott, einen Brief lesen... Ab und zu kann ich es mir nicht verkneifen, aber ansonsten bin ich froh von der Snooze-Taste weg zu sein.“

War sonst alles für die Katz?

Klar, ein paar mal kann man zu spät kommen oder sich noch krank melden. Aber irgendwann haut einen der Betrieb raus, rechtlich darf er das fürs laufende Fehlen. Dann hast du zwar drei Monate Zeit dir einen neuen zu suchen, bevor die Ausbildung verfällt, aber ein neuer Betrieb wird wissen wollen (und wahrscheinlich auch auf eigenen Faust rauskriegen können) warum du aus dem alten rausgeflogen bist und dann bist du in Erklärungsnot. Das kann gut gehen, muss es aber nicht und dann lohnt es sich frühs im Bett alles noch mal durch den Kopf gehen zu lassen. Klar hat man was gelernt und vielleicht reicht das auch, aber für den Gesell*Innen-Brief ist es in dieser Stadt dann vielleicht zu spät. Die ganze harte Arbeit, das viele Aushalten von dummen Gelaber und eintöniger Arbeit, das frühe Aufstehen, die Augenringe, das Verzichten, das Durchhalten, alles im Arsch. Fürs liegenbleiben. Was du ein paar Stunden später hart bereuen wirst. Und vielleicht dein Leben lang, wenn du dann als Hilfsarbeiter ohne Abschluss fünf oder zehn Euro weniger bekommst als eine Facharbeiterin.

„Ich mach die Ausbildung ja eh nicht um danach in einem normalen Angestelltenverhältnis den Rest meines Lebens zu verbringen. Aber ich weiß, ganz komme ich um Lohnarbeit nicht herum. Und wenn schon, dann verdiene ich doch lieber als Facharbeiterin zehn Euro mehr pro Stunde als ein Hilfsarbeiter und muss deswegen nur die halbe Zeit arbeiten (und früh aufstehen). Das frühe Aufstehen jetzt ist also eine Investition in „in Zukunft weniger oft früh aufstehen“. Das hat mich ein paar mal frühs aus dem Bett geholt.“

Die Arbeit an dieser Broschüre hat übrigens auch ein paar Leute motiviert früh aufzustehen, weil sie es dann dem Scheißsystem durch diese Broschüre ein wenig heimzahlen konnten.

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